Deutschland ist nicht Europameister geworden :-( und jeder Afrikaner dem ich in den letzten 3 Tagen begegnet bin, hat mich damit aufgezogen. (Gestern hat Willy aus Zambia mir einen längeren Vortrag darüber gehalten, dass Jansen ja im Finalspiel das eigentliche Problem war...)
Die letzten paar Tage waren ziemlich chaotisch, da aus heiterem Himmel eine südafrikanische Theatergruppe angekündigt hat, bei uns ein paar Tage anpacken zu wollen. Das Problem: Etwa 20 Leute wollen beschäftigt werden und Pieter und Rika (die Hauseltern) hatten natürlich gerade für Samstag bis Mittwoch eine Fahrt nach Südafrika geplant; inklusive der notwendigen Einkäufe an Sachen, die man hier nicht ohne weiteres oder nur sehr teuer bekommt...
Letztenendes waren die Leute aber supernett, hilfsbereit und haben uns hier beim Frühjahrsputz kräftig unter die Arme gegriffen, als auch die beiden Gärten auf Fordermann gebracht. Abends haben sie von Sonntag bis Mittwoch technisch perfekte Stücke aufgeführt - Es hat Spaß gemacht die alle in Aktion zu sehen.
(www.13floor.net)
In der Zeit der amerikanischen Sommerferien ist das Haus wohl immer sehr voll und desswegen waren hier zwischendurch 15 zusätzliche Leute untergebracht. Doch heute morgen sind Regina und Anna nach Capetown abgereist und damit sind an Helfern nur noch ich und Allison übrig geblieben. Meinem Portugiesisch werden die nächsten paar Wochen also wahrscheinlich sehr gut tun!
Aber ich freu mich auch echt auf das Team von Traumhaus, in ca. drei Wochen ist es ja schon soweit!!
Meine Aufgaben wechseln eigentlich ständig: Nachdem ich in den ersten zwei Wochen einfach mitangepackt und die Abläufe kennengelernt habe, haben wir danach als Team die kompletten Aufgaben der Erzieher übernommen, um ihnen einen Urlaub möglich zu machen. Dabei waren wir zu Beginn noch 12 Leute und wir teilten die Aufgaben untereinander auf, so dass ich noch Zeit hatte ein paar Räume zu streichen und Kleinigkeiten zu reparieren. In der letzten Woche waren wir dann aber nur noch zu viert und da die Kinder nicht gerade aufs Wort hören (und erst recht nicht auf Englisch... :-) und weil man hier einfach öfter gesundheitlich angeschlagen ist, war das echt zehrend.
Ich kann nicht wirklich glauben, dass die Hälfte meiner Zeit hier schon um ist!!!
Ich habe hier unten soviele tolle Menschen getroffen und soviel gelernt. Mosambik ist einfach wunderschön und das Land kann sich schonmal darauf einstellen, dass ich wiederkomme :-) (Auch wenn ich noch keine Ahnung hab wie...)
Ich hatte schon genug Schlechtes über Kriminalität in Mosambik gelesen, um zu erwarten, dass meine Kamera gestohlen würde.
Aber weil ich immernoch Simon Costa bin, war dass gar nicht nötig: Ich hab´ sie einfach in einem Chapa liegen lassen:-) Dass viel mir in dem Moment auf, asl ich das Chapa abbiegen sah - also rannte ich wild winkend hinter ihm her, was den Chapa-Fahrer aber nicht weiter störte. (Ich habe schon neben einem gesessen, der während der Fahrt SMS geschrieben hat...)
Danach rannte ich zum Haus, weil Regins, eine Mitarbeiterin, noch in demselben Chapa mit halbtoter Hupe saß - Aber niemand hatte ihre Nummer. Also wartete ich an der Haltestelle, die Chapas fahren nämlich den ganzen Tag zwischen zwei Haltestellen hin und her. Nach einer halben Stunde, vier Arrofadas (süßes Gebäck) und einer Fanta, die ich in einem der Imbißbudenartigen Shops bekam, hielt tatsächlich das Chapa mit der halbtoten Hupe neben mir an. (Chapas hupen eigentlich immer, warum weiß kein Mensch.)
Der Fahrer erklärte mir dann, dass er die Kamera bereits Regina gegeben habe und Finderlohn wollte er auch keinen annehmen.
Ich habe hier schon viel von Kriminalität gehört und keiner von uns würde nach 20:00 in Maputo unterwegs sein wollen, aber bis jetzt habe ich immer freundliche Menschen getroffen, die mir unwissendem Touristen weitergeholfen haben. Als ich breit grinsend wieder zur Tür der Boersmas hereinkam (Pieter und Rika Boersma leiten das Haus), war Pieter gerade wegen einer ganz anderen Sache unterwegs:
Ein paar der Amerikanerinnen waren mit Luis in der Siedlung, in der ich Ti-Ki auf dem Schoß hatte.
Dort waren die Mädels wohl irgendwie in eine kleine Party in der Nachbarschaft geraten, wo sie tanzten und Fotos schossen, als plötzlich ein Betrunkener aufstand und anfing Stress zu machen.
Es stellte sich heraus, dass der Idiot ein "police officer" war, (d.h. in Mosambik: Er hat ne Knarre, ne Uniform und fühlt sich unterbezahlt...) der Kohle wollte, weil er fotografiert wurde.
Bei Fotos von öffentlichen Gebäuden und Offiziellen werden die hier pingelig.
Ich weiß nicht genau, wie sich alles abspielte, aber der Polizist fing wohl an handgreiflich zu werden und letztendlich musste Pieter mit der Gruppe und Luis auf die Wache, wo sich die Geschichte immernoch nicht klärte. Am nächsten Morgen sollten sie also nocheinmal um 7:00 morgens da sein, wo sie wohl Aussagen machten, womit die Polizei dann zufrieden zu sein schien.
Im Allgemeinen hat man hier wohl mehr Angst vor der Polizei, als vor Kriminellen.
Letzten Samstag saß Luis, der einzige Angestellte, der hier permanent wohnt, am Küchentisch und sagte: "By the way, they are planning to burn South African cars and stuff, but I don´t think anything will happen." (Ach ja und die Leute planen südafrikanische Autos zu verbrennen, aber ich glaub´ nich, dass irgendwas passiert.)
3 Stunden später saßen wir also alle (11 Personen) im Auto um in Südafrika die nächsten paar Tage abzuwarten (Pieter und Rika, das Ehepaar welches das Haus hier leitet sind Südafrikaner). Wie man wohl auch in Europa mitbekommen hat, fanden in Südafrika ausländerfeindliche Attacken statt. Zunächst dachte Pieter, dass dieses township problem für uns in Matola (eine der besseren Wohngegenden in Mosambik) nichts weiter bedeuten würde. Aber da hatten wir noch nicht an die wütenden Mosambikaner gedacht, die erst als illegale Einwanderer für einen Hungerlohn in Südafrika geschuftet haben, um jetzt aus dem Land gejagt zu werden.
Letztendlich passierte aber nichts in Maputo oder Matola. Nur in Inhambane (oder ähnlich) wurden wenige weiße Südafrikaner aus ihren Häusern gejagt. Die Polizei griff aber ein und niemand wurde verletzt.
Ich hatte währenddessen ein paar schöne Tage in dem wunderschönen Land Südafrika und vor allem einen Tag im Krüger!!
Wenn man von Maputo aus nach Nelspruit, wo wir in einem Ferienhaus übernachteten, fährt, ändert sich die Landschaft schnell von trockener, flacher Steppe hin zu einer Hügellandschaft voll üppigem Grün. Südafrika ist ein wunderschönes Land. Man hat hier wirklich das Gefühl in dem Afrika aus den Tierfilmen angekommen zu sein: Wegen der Bäume mit den flachen Baumkronen, den Hügeln, die irgendwie einfach anders rund sind, als in Deutschland...
Den nächsten Tag verbrachten wir im Krüger-Nationalpark. Es ist unglaublich toll nur ein paar Meter weit weg von echten wilden Giraffen, Elefanten, Loewen, K-Buffalos, Impalas, Kudus und und und zu sein.
Anyway, das Wichtigste hier im Haus sind die 10 Kinder. Marcelino, Luis, Paulo, Ricardo, Idrussi, Telma, Aninha, Alica, Quiteria und seit vorgestern: Howa.
Wenn man Howa sieht, fragt man sich, wieviele Monate sie wohl alt ist.
Wenn man dann hört, dass sie im September drei Jahre alt wird, will man eigentlich direkt heulen.
Wenn sie badet, sieht man buchstäblich jeden einzelnen Knochen.
Dementsprechend ist es wundervoll zu sehen, wie gesund und wild die anderen Kinder sind.
Vorgestern hat Somito, ein Nachbar, mich gefragt, ob Deutschland anders sei als Mosambik.
Das einzige, was ich in diesem Moment antworten konnte war: In Deutschland muss man einen Fuehrerschein machen um Auto zu fahren und in Deutschland wuerde man die Fahrer von Chapas (Das ist der Name der Kleinbusse hier.) wahrscheinlich direkt verhaften.
Natuerlich muessen die Leute hier auch einen Fuehrerschein machen, aber davon merkt man nicht allzu viel...
Das erste mal gestaunt habe ich wirklich ueber den Verkehr (Ja, das ist typisch deutsch...)
Ich hatte mit heissem Wetter, einem winzigen Flughafen und ewigem Warten bei der Passkontrolle gerechnet, aber selbst die Fahrweise von Italienern, Spaniern und Polen verblasst gegen diesen quirrligen, dreissten Linksverkehr.
(Pieter: Jeah, you have to drive semi-agressive in Mosambik)
Ein lautes "woow" entfloh mir dann als ich einen Kleinbuss sah, der fast auseinanderzufallen schien und der eine WAND aus dichtem, schwarzem Rauch hinter sich herzog.
Danach hat mich dann die versammelte Mannschaft ausgelacht... (Luis:Simon is excited about smoking cars!!! hahaha This is your first time in Africa?)
Dieser Kleinbus (etwa wie unser Van) enthielt sage und schreibe 14 Leute; und das ist wenig.
Eine der Erzieherinen war in einem Chapa mit 29 (NEUNUNDZWANZIG!!!) Leuten.
Das Haus ist im Moment ziemlich voll: Pieter, Rika und ihre drei Soehne (Ja, es soll Leute geben, denen das genug ist.), haben ihre eigene Wohnung mit grossem Wohnzimmer, in dem eigentlich alle hier zu Hause sind. einen Flur weiter sind dann noch Besucherraeume (Britney und Sarah aus Kansas, Allison aus Colorado sowie Anna aus
Hong Kong) und natuerlich die Schlafraeume der Babys.
Der Tagesrhythmus richtet sich nach den Babys, da mit neun energischen Kindern nicht an normale Taetigkeiten zu denken ist. Ich werde hoffentlich bald Fotos hochladen koennen, dann kann ich den Alltag in Farbe beschreiben.
Ich bin so froh, dass Amy schon neun Monate mit mir Englisch geuebt hat. So kann ich nach einer Woche sogar dieses suedafrikanische Kauderwelsch verstehen, gegen das mir Amerikanisch (welches ich normalerweise liebevoll "frogish" nenne) wie der Himmel vorkommt.
Mein Portugiesisch wird schnell besser und ich hoffe, dass ich ein bisschen Chan-gan (oder Aehnlich) mitnehmen kann, denn die schwarzen Mosambikaner wechseln andauernd zwischen Portugiesisch und Chan-gan. Es gibt soviel, was ich noch schreiben moechte, demnaechst werde ich mir die Zeit dazu nehmen. Ich bin hier sehr frei und habe eine wundervolle Zeit.
Ehrlich gesagt sind erstaunlich viele Dinge "normal": Normale alte Haeuser, normale Coca Cola Werbung, Normales Besteck, normale Witze und normale, haessliche Betonbloecke in der Stadt.
Ich will also hier kein jaemmerliches Bild von Mosambik zeichnen. Die Menschen hier sind so freundlich, offen und lachen viel, aber heute habe ich etwas gesehen, was ich nicht mehr vergessen werde.
Ich war heute zu Besuch in Benfica, einem Stadtteil in dem Pieter und Rika Leute unterstuetzen.
Dort habe ich einen Jungen namens Chi-Ki auf dem Schoss gehabt. Er ist froehlich und umarmt alle Fremden direkt. Er ist etwas groesser als Norina, die klein fuer eine Neunjaehrige ist. Seine Haut ist von einer Art Schuppen ueberzogen. Richtige grosse, halbweiche Schuppen, die den ganzen Koerper ueberziehen. Sie sind weich und man koennte auf den ersten Blick meinen, dass es nur Rotz ist, aber an den Fingern, Handgelenken und am Hals sieht man, wie sie sich schaelen.
Chi-Ki ist 16 und seine Familie hat, wie viele in Mosambik, nicht viel zu essen. Seit seine Mutter nun mit einem neuen Mann andere Kinder hat, kuemmert sich dieser Mann besser um seine anderen Kinder, die einigermassen normal aussehen.
- Dieser Text ist voellig unstrukturiert, weil ich den letzten Teil voher schon aufgeschrieben hatte und gerade nicht so viel Zeit habe ich werde das noch aendern.-
In 44 Stunden sehe ich Maputo/Mosambik aus der Luft.
Soviel kann mittlerweile jeder.
Aber Nach 9 Monaten Vorbereitung, Planung, Bibbern und Zittern was die Kohle angeht und gefühlten 300 Stunden Telefonaten mit:
Dem Bundesamt für den Zivildienst in 50964 Köln,
Der Bruderhilfe,
Dem Gesundheitsamt,
Der Mosambikanischen Botschaft,
Der HUK,
Der Victoria,
(Warum hat eigentlich jeder zweite Telefondienst „Für Elise“ in der schrecklichsten Midi-Version aller Zeiten als Warteschleife? Was muss Beethooven verbrochen haben, um das zu verdienen?)
Nach insgesamt 9 Spritzen mit Impfstoffen und zwei Emulsionen = 400€,
Nach einer Mandel-OP inklusive Nachblutungen und intensiven Haferschleimerfahrungen,
Nachdem ICH sogar mein AUTO GEWASCHEN habe, um es zu verkaufen,
werde ich wirklich meine Füße auf süd-ost-afrikanischen Boden setzen.
Meine Güte.
Ich bin so gespannt auf die Babys und auf mosambikanisches Portugiesisch.
Und ich freu mich auf den Strand.
hui, was für ein Tag! Süß, dass Simon immer noch Simon bleibt, egal auf welchem Kontinent er sich befindet!Aber freut... read more
on Dussel